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Medienflut
13.11.2009 von Oskar Unke.

Durch den Freitod von Robert Enke ist eine wahre Medienflut über alle Medien- und Kommunikationskanäle entfacht worden.
An den vielen Deutungen, Spekulationen und sonstigen Dingen will ich mich nicht beteiligen. Nach längerer Zeit habe ich allerdings in einem Blog mal wieder einen Kommentar abgesetzt.
Besonders ein Kommentar hatte da doch mein Mißfallen hervorgerufen.
Deswegen ein paar Reflexionen zu Depressionen:
Leserkommentar bei AllesAlltäglich:
Um ein wenig zur Sachlichkeit beizutragen:
Die Krankheit „Die Depression“ gibt es so nicht, sie hat viele Facetten, viele Ursachen, ist sehr oft irrtümlich belegt, genauso wie „Streß“ und viele andere Begriffe / Krankheiten.
Ein paar Leuten hier, die wenn auch teilweise nur unterschwellig, Unverständnis für die „Reaktion“ eines suizidalen Depressiven äußern, sei in Erinnerung gerufen:
„Es gibt nur wenige psychisch Kranke, deren Leiden nicht irgendwann zu der Frage führt: Kann ich, will ich so weiterleben? Depressive Verstimmungszustände, Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis, Abhängigkeitserkrankungen, psychogene Reaktionen und Persönlichkeitsstörungen bringen für viele Kranke soviel Leid und soviel Erschütterung in ihren Beziehungen zu anderen Menschen mit sich, daß sich Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ausbreiten. Dies aber sind die wichtigsten Risikofaktoren, die eine Suizidgefährdung mit sich bringen und die zum “präsuizidalen Syndrom” und schließlich zur Suizidhandlung führen können. Aber auch bei Menschen, bei denen bis dahin keine psychische Störung bekannt war, können Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in eine Suizidhandlung münden.
Suizid ist ein menschenmöglicher Akt. Keiner von uns ist vor Suizidgedanken sicher. Ob daraus ein Suizidversuch wird, liegt meist an der Häufung komplizierter Umstände. Ob daraus ein vollendeter Suizid wird, mag sogar eine Frage von Glück oder Unglück sein, rechtzeitig gefunden zu werden oder eine gerade nicht tödliche Dosis an Medikamenten geschluckt zu haben. Manche Autoren fordern ein Recht auf Suizid ein, auf die Freiheit, Hand an sich zu legen, wenn die persönliche Bilanz ergeben hat, daß sich Weiterleben nicht lohnt. Der Psychologe Walter A. Scobel formuliert: “Jeder suizidale Mensch, ob er nun krank ist oder gesund, verdient Achtung statt ghtung, Anteilnahme statt Ablehnung, Verständnis statt intoleranter Verurteilung, Mitgefühl statt Bestrafung und Entmündigung, Hilfe statt Gleichgültigkeit. Tot sein und nicht mehr weiterleben wollen sollte als möglicher und einsehbarer Impuls der menschlichen Psyche akzeptiert und nicht länger tabuisiert und diskriminiert werden.” (Einleitung von: Umgang mit suizidalen Patienten - Laufen am Abgrund (aus Via medici 4/97) Prof. Dr. Asmus Finzen, Dr. Ulrike Hoffmann-Richter)
Menschen die nicht wissen, was es heißt eine handfeste Depression zu haben, kann ich nur dringlich anraten das Buch von Piet C. Kuiper „Seelenfinsternis – Die Depression eines Psychiaters -“ S. Fischer, 1988, zu lesen, insbesondere das Kapitel Im tiefsten Abgrund S. 143 –
(In diesem vielbesprochenen Buch schildert der niederländische Psychiater Piet C. Kuiper auf beklemmende Weise eine schwere Depression, die ihn in eine tiefe Lebenskrise stürzte und seine Einweisung in eine Klinik notwendig machte. All sein Wissen über seelische Störungen versagte vor seiner eigenen Erkrankung. Nach seiner Genesung schrieb er dieses einmalige Dokument nieder, das zu einem Bestseller geworden ist. »Seine größte Intensität gewinnt Kuipers Bericht bei der Schilderung jener Schuldhölle, in der er während seiner Krankheit unterzugehen drohte. Das Zentralkapitel Im tiefen Abgrund ist eine auch schriftstellerisch unerhörte Innenansicht der Hölle aus der Sicht der Depression.« Ludger Lütkehaus )
„Der Begriff Depression wird in vielen Zusammenhängen verwendet: als ein bestimmtes Gefühl oder Symptom, ein Symptomkomplex oder Syndrom oder eine genau definierte Krankheitseinheit (Beck, 1970). Während in der Alltagssprache jemand als depressiv bezeichnet wird, der nach einer Enttäuschung traurig oder lustlos ist, ist letzteres für die »Diagnose Depression« weder eine hinreichende noch notwendige Bedingung. Depression kann sich auf unterschiedlichen Ebenen manifestieren (nach Beck, 1970; Hautzinger, 1981; Faust et al., 1983).
Kielholz (1971) systematisiert die Symptome in Grundsymptome und akzessorische Symptome. Zu den Grundsymptomen zählt er die depressive Grundstimmung (z. B. »Gefühl der Gefühllosigkeit«), die Denkhemmung, die Hemmung der zentrifugalen Funktionen (z. B. Willenshemmung, Antriebsmangel). Die akzessorischen Symptome beinhalten stimmungsbedingte Wahnideen, insbesondere Versündigungs-, Insuffizienz-, Verarmungs- und nihilistische Ideen sowie somatische Erscheinungen. Für die Zuordnung zu den Unterformen sind neben der Ausprägung der Symptome Informationen über Verlauf und Dauer der Symptome, Vorhandensein anderer körperlicher oder psychopathologischer Krankheiten sowie belastender Lebensereignisse notwendig. Der Ausprägungsgrad kann durch psychologische Testverfahren erfaßt werden (Blöschl, 1981).
Es sind viele Versuche unternommen worden, die Symptomvielfalt zu klassifizieren, mit dem Ziel einer möglichst eindeutigen Zuordnung zu klar definierten Krankheitseinheiten mit spezifizierter Jiologie, Verlaufscharakteristika und unterscheidbaren Reaktionen auf verschiedene Behandlungsformen (für einen Überblick siehe Linden, 1979; Benesch, 1981). Kraepelin (1913)“
„Die meisten europäischen Klassifikationen sowie die Internationale Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (ICD-9 / 10) unterscheiden weiterhin endogene und neurotische Depression sowie innerhalb der endogenen Depression unipolare und bipolare (d. h. mit depressiven und manischen Phasen) Formen. (Kielholz, 1971; Roth/Barnes, 1981). Der Endogenitätsbegriff gehört zu den umstrittensten in der Psychiatrie (Schulte/Tölle, 1971). Damit ist so Unterschiedliches gemeint wie eine aus sich selbst heraus entstandene Krankheit sowie erbliche oder somatische Genese (Schulte/Tölle, 1971) oder auch eine besonders schwere Form der Depression. Übereinstimmung besteht jedoch inzwischen dahingehend, daß auch im Vorfeld endogener Depression kritische Lebensereignisse auftreten und mit dem Krankheitsgeschehen interagieren können.“
Aufgrund verschiedener faktoren- und clusteranalytischer sowie Längsschnittstudien wurde auf deskriptive Weise versucht, Unterscheidungskriterien von endogener und neurotischer Depression zu bestimmen. Matussek et al. (1981) identifizierten folgende Symptome für die endogene Gruppe: abgrenzbare Qualität der Depression, Verlust der Reagibilität, Hemmung, Morgentief, Rückzug der Patienten, Störung der tageszeitlichen Rhythmen, Appetitverlust, Schlafstörungen. Neurotisch Depressive stellen im Vergleich mit endogen Depressiven eine heterogene Gruppe dar mit den Merkmalen: neurotische Persönlichkeitsstruktur, Reagibilität, Traurigkeit als qualitativ nicht abgrenzbar von normaler Traurigkeit und Hypochondrie (Matussek et al., 1982). Endogen Depressive sprechen besser auf trizyklische Antidepressiva an, die Remission ist stabiler (Matussek et al., 1981; Roth/Barnes, 1981).
[Depression : Handwörterbuch Psychologie, S. 493 - 496 (vgl. HWB Psych., S. 102) ]
In der Psychologie und Psychiatrie unterscheidet man unipolare affektive Störungen (Depression oder Manie) von den bipolaren affektiven Störungen (die „manische-depressive“ Bipolare Störung).

In diesem Band sind gemalte Bilder die in der Therapie entstanden.
Geschrieben in Reflexionen, Psychologie, Psychiatrie, Medizin + Gesundheit, Oskars Notizkladde | Drucken | 2 Kommentare »
Macht Folsäuremangel traurig?
19.12.2008 von Oskar Unke.

Psychische Erkrankungen, so auch die Depression können sehr wohl einen Nahrungsmittelhintergrund haben. Die Nahrung beeinflußt sowohl die psychische Verfassung, wie auch den körperlichen Zustand.
Das Vitamin Folsäure spielt im menschlichen Körper eine sehr zentrale Rolle bei der Blutbildung und dem Aufbau der Erbsubstanz. Darüber hinaus ist die Folsäure zusammen mit anderen B-Vitaminen B12 und B6 maßgeblich für das Unschädlichmachen des Zellgifts Homocystein zuständig. Homocystein entsteht als Abfallprodukt im menschlichen Stoffwechsel. Wird es nicht schnell wieder abgebaut, kann diese Substanz die Wände der Blutgefäße angreifen, die Entstehung einer Arterienverkalkung fördern und auf diesem Weg das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen. Diese Tatsachen sind zwar schon länger bekannt. Die Forschung hat jetzt aber auch Belege dafür gefunden, daß ein durch einen Folsäuremangel hervorgerufener zu hoher Homocysteinspiegel offenbar in engerem Zusammenhang steht mit der Entwicklung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen wie Depressionen, Demenz und Parkinson.
Auch bei der sogenannten Altersdepression steht ja mehr die “Verkalkung” im Vordergrund (Ernährungssünden), wie das diese Depression endogen wäre.
In England wurden Patienten mit depressiven Störungen 200 Mikrogramm Folsäure - die Menge in circa 190 Gramm Spinat - sowie ein Placebo verabreicht. Innerhalb eines Jahres hatte sich das Krankheitsbild bei denjenigen mit Folsäure-Gabe deutlich verbessert. Daraus folgerten die Wissenschaftler, daß selbst eine geringfügige Felernährung zu Depressionen führen kann. Gerade in westlichen Industrieländern, wo eine Unterversorgung etwa mit Folsäure keine Seltenheit ist.
Außerdem wurde deutlich, daß Menschen mit einem niedrigen Folsäurespiegel auch schlechter auf antidepressiv wirkende Medikamente ansprachen. Daraufhin folgte eine große europäische Untersuchung, die die bereits gewonnenen Erkenntnisse nochmals erhärtete: Ein Mangel an Folsäure und Vitamin B12 sowie ein zu hoher Homocysteinspiegel im Blut können eindeutig die Neigung zu Depressionen fördern.
Obwohl man inzwischen auch nachweisen konnte, daß eine verbesserte Versorgung mit Folsäure den Verlauf einer Depressionserkrankung günstig beeinflussen kann, fanden diese Resultate bislang noch keine nachhaltige Berücksichtigung in der regulären Therapie von Depressionen. Überhaupt ist die Mehrheit der Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater in diesem Bereich sehr einseitig ausgerichtet. Auch Ängste, Phobien und unerklärliche Panikattacken haben ihre Ursachen häufig im physiologischen Bereich und können durch Nährstoffergänzungen in Form von Mineralien, Vitaminen und Aminosäuren behoben werden. Die Ernährung und Lebensweise, hat einen sehr hohen Einfluß auf das psychische und körperliche Wohl-Befinden.
Nicht umsonst empfehle ich immer mit Nachdruck auch die Algen.
Mehr Informationen zu diesem und gleichartigen Themen finden sich auch auf Mentalpsychologie-Netz.
Depression (lat. deprimere, depressus niederdrücken, herabziehen) (psychiatr.) diagn. unspezif. Bez. für eine Störung der Affektivität*, bei der ein depressives Syndrom* im Vordergrund steht. Je nach Dauer, Intensität od. Periodik des Auftretens ist die depressive Stimmungsänderung u.U. pathologisch; in Abhängigkeit von der Schwere der depressiven Sympt. bzw. vom Vorliegen adäquater äußerer Auslöser od. org. Erkrankungen sowie aufgrund des Verlaufs kann eine nosolog. Zuordnung getroffen werden: D. als Teil einer org. Erkrankung (s. Depression, somatogene), als körperlich nicht begründbare D. (s. Depression, endogene) od. als psychoreaktive Erkr. (s. Depression, psychogene); ( Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch -258. Auflage)
Vitamin B2-Komplex: Diese Bezeichnung dient für eine Gruppe wasserlöslicher Vitamine, deren Vertreter Folsäure, Nicotinsäure und Nicotinsäureamid, Pantothensäure und Riboflavin sind. Allgemein versteht man jedoch heute unter dem Begriff Vitamin B2 ausschließlich das Riboflavin (Lactoflavin) [Hunnius - Pharmazeutisches Wörterbuch - S. 1486 - 7.Aufl.]
Folsäure ist in der reduzierten Form, der Tetrahydrofolsäure, wirksam. Sie spielt eine große Rolle in verschiedenen Stoffwechselreaktionen (z.B. in der Purinsynthese). Die Reserven der Folsäure im Körper sind relativ gering, wobei die Hälfte in der Leber gespeichert ist.
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Geschrieben in Ernährung, Psychiatrie, Medizin + Gesundheit, Oskars Notizkladde | Drucken | 2 Kommentare »