Das möchte ich manchmal auch sagen können

Berghls

Ich bin der Welt abhanden gekommen

Ich bin der Welt abhanden gekommen,
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh‘ in einem stillen Gebiet!
Ich leb‘ allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!
(Friedrich Rückert – 1788 – 1866)

[Friedrich Rückert einer meiner Lieblingsdichter –
Ab 1848 wählte er seinen Ruhesitz in Neuses bei Coburg, wo er ein Gut besaß.
Dort schuf er sich ein Refugium auf dem nahegelegenen Goldberg.

(Bildquelle Wikipedia)

Bei all dem zunehmenden Irrsinn in diesem absurden Absurdistan Germanistan
möchte ich oft auch Abschied nehmen von einem übervölkerten Landstrich.
Zum Beispiel verschiedenen Leuten in die schwedische Provinz nachfolgen oder
es wie Botho Strauß ( Botho Strauß fühlt sich als „Der letzte Deutsche“ und beklagt die „Flutung des Landes mit Fremden“.) zu tun und in einen dünnbesiedelten deutschen Landflecken zu flüchten.  Botho Strauß lebt seit über 20 Jahren in der
Uckermark – Artikel: lebt und schreibt Botho Strauß in der menschenleeren Uckermark. Dies ist der Rand, von dem aus er auf die Gesellschaft schaut. – im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gehört: Stille und Abgeschiedenheit auf 130.000 Hektar zum täglichen friedlichen Lebensgenuß.
Hier wohnt der Herbst. Hier wohnt die Einsamkeit. Hier wohnt der Dichter Botho Strauß. Wir sind in der Uckermark, ein kleines Dorf, eine Sammlung von sechs Häusern eigentlich nur. Hier wohnt er.

Er hat als Dramatiker die westdeutsche Gesellschaft seziert – und sie dann mit seinem Essay „Anschwellender Bocksgesang“ bis auf Blut gereizt.

”Schroff kehrt der Dichter der verdorbenen Stadt den Rücken, baut eine Arche Noah auf dem Land und hält Einkehr in der „Entlegenheit“. Die Stadt ist die Signatur der Moderne und die Moderne eine Desillusionsmaschine, die die Menschen zum Ebenbild des Allgemeinen erniedrigt, um ihre Träume betrügt und sie von ihrer ursprünglichen Fremdheit entfremdet. Nur das Land, seine Uckermark, ist eine Lichtung im Niedergang, hier trotzt das Haus des Seins den „Grimassen des Sozialen“.” (Zeit)

Botho Strauß: „Ich möchte lieber in einem aussterbenden Volk leben als in einem, das aus vorwiegend ökonomisch-demografischen Spekulationen mit fremden Völkern aufgemischt, verjüngt wird, einem vitalen“,…
„Der letzte Deutsche“ stellt Strauß sich in seinem neuen Text in die von Schriftstellern und Philosophen wie Ernst Jünger, Stefan George und Friedrich Nietzsche geprägte geistesgeschichtliche Tradition, die in der heutigen Bundesrepublik fast keine Bedeutung mehr habe. Die meisten Deutschen seien deshalb „nicht weniger entwurzelt als die Millionen Entwurzelten, die sich nun zu ihnen gesellen“, schreibt Strauß in Anspielung auf die derzeitige Flüchtlingskrise.
(Auszug von Spiegel)
Es gibt Schriftsteller, die wirken nicht nur über ihre Bücher, sondern gleichermaßen über ihre Existenz. Ihr Schreiben, obwohl bild- und figurenschaffend wie das anderer auch, ist vor allem Ausweis eines geistigen Weltverhältnisses. Autoren dieses Typs – wie Jünger, Cioran, Pascal oder Nietzsche, […]
folgen nicht der Form-Konvention literarischer Gattungen, sondern dem Stilgesetz ihres Lebens, eines gedankenbezogenen, klaus­nerischen Daseins, fern vom Getriebe der Welt: einer Art Leben im Verzicht, aber in einem Verzicht, der nicht nimmt, sondern gibt. (Cicero)

Botho Strauß aber suchte sich lieber neue Exile. Er fand sie in der Menschenleere der Uckermark, in der stolzen Figur des unzeitgemäßen Lesers in den hinteren Ecken der Bibliotheken und in einer elitären Verachtung des aufgeklärten, an die Gegenwart angeschlossenen Massenmenschen, dem er individuelle Züge oft einfach abspricht. (taz)

Botho Strauß liest der verrotteten Republik von der Uckermark aus die Leviten.

Schon am 08.02.1993 hat Botho Strauß im Spiegel Kultur Essay: Anschwellender Bocksgesang – der kranken Gesellschaft den Spiegel vorgehalten. “Wenn man bedenkt, wie schnell der Feuerball der Narreteien wächst und sich dem kleinen Planeten des Geistes nähert. Vielleicht morgen schon hat er uns alle ausgebrannt, und nur das Mundwerk läuft weiter munter vor sich hin, wir merken’s nicht einmal mehr, jeder bereits ein Unterhaltungsschreck, ein Gespenst des Infotainments.”
(Spiegel)

Wie hat er mir damals schon aus der Seele gesprochen.

Traumidylle Das Haus meiner Sehnsucht

Dieser Beitrag wurde unter Absurd-AG, Absurdistan Germanistan, Alptraum Germanistan, Blogosoph, Bücher + Literatur, Bücherwelt, Eremit Sirius, kranke Gesellschaft, Kulissenschieber, Lebensphilosophie, Oskar Unke, Oskars Notizkladde, Politik + Gesellschaft, Querdenker, Reflexionen, Sehnsuchtswelten, Sinn + Wesentlichkeit, Spektakel, Zeitempfinden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Das möchte ich manchmal auch sagen können

  1. Oskar Unke sagt:

    Hallo Laura,
    Das freut mich aber, daß du mich vermißt hast 🙂
    Ja, zur Zeit bin ich ein wenig zwiespältig bzw. innerlich zerissen, möchte zuviel auf einmal 🙁 Da heute bzw. gestern, es ist ja schon Mitternacht vorbei, das Wetter nicht so schlecht war, wäre ich eigentlich gerne gelaufen, aber dann hat doch „die Pflicht“ gesiegt. Rasenmähen war angesagt und Dornen schneiden und hunderterlei andere Garten- und Hofarbeiten. Soll ja schon wieder schlechter werden das Wetter, mein Wetterstationsfrosch hockt auch schon wieder unten mit Regenschirm, d.h. der Luftdruck ist mal wieder in den Keller. 🙁
    Bis 20. Juni wird das Wetter wohl sehr wechselhaft und regengefährdet bleiben und nur mäßig warm. Dieses Frühjahr war wirklich nicht der Renner. 🙁
    Ja, so eine Holzwaldhütte war schon als Kind mein Traum.
    Da hat mich wohl auch das Wohnen meiner väterlichen Großeltern ein wenig geprägt, sie wohnten in einem einfachen Holzhaus im Kaufunger Wald bei Kassel, direkt am Waldesrand, was ich immer toll fand.
    Mein Jugendtraum war dann immer ein selbstgebautes Feldsteinhaus mit viel Holz auf dem „Schreckhof“ bei Diedesheim (Krs. Mosbach am Neckar – Nordbaden) wo wir damals wohnten (Obrigheim a. Neckar) oder eben Nordhessen.
    VG
    Oskar

  2. Laura sagt:

    Da bist du ja wieder , lieber Oskar, und ich bin heilfroh, dass du der Welt nicht abhanden gekommen bist. Wo sonst sollte ich denn solch interessante Artikel lesen ?
    Deine Sehnsucht nach der Einsamkeit kann ich absolut nachvollziehen. Heutzutage ist Einsamkeit ein wahrer Luxus !
    Froh, dass du deine Gedanken wieder aufschreibst und ich sie lesen kann, schicke ich liebe Grüße zu dir
    Laura, die bereits anfing sich Sorgen zu machen.

Kommentare sind geschlossen.