
Guter Rat ist im Ohr der Torheit, wie Wind im Käfig:
„Wie Wind im Käfig,
wie Wasser im Siebe ist
guter Rat im Ohr der Torheit
und der Liebe.“ (Friedrich Rückert)
Anatomie der deutschen Regression und Dekadenz
Der deutsche Geist zeigt heute eindeutig regressive und infantile Tendenzen. Wenn nicht alles täuscht, gibt es zurzeit nicht einmal mehr eine spezifische Elite, wenn auch ein Teil der Gesellschaft, sich dieser zugehörig fühlt und damit ihre überzogenen Forderungen und Verdienste (Salär) rechtfertigen. Die Nivellierung unserer Gesellschaft, die sich mit einer entwaffnenden Einseitigkeit dem schieren Warenkonsum und der „Spaß- und Erlebnisgesellschaft“ verschrieben hat, stellt bereits die Existenz einer typenbildenden Oberschicht infrage. Das Deutschland von heute bietet das Bild einer Armee ohne Offiziere, in der sich bestenfalls einige machtbesessene, politische Funktionäre oder ‚Parteisoldaten‘ tummeln“. Im Übrigen beherrscht der schiere Durchschnittsteutone der Ober- und Hintertanen und Untertanen das gesellschaftliche Bild. Er hat sich zum Prototyp der Zeit erhoben. Das Fehlen einer gezielten geistigen Führung, kann man daher durchaus mit dem Fehlen geeigneter Führungspersönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Kultur erklären.
Von einer Masse, der nur an einem ungestörten Genuß des wahrhaft opulenten materiellen Warenangebots gelegen ist, sind kaum weltbewegende Impulse, die in die Zukunft zielen, zu erwarten.
Die Prosperität hat die Kinder und Enkel des deutschen Wirtschaftswunders und die Jagd nach dem Mammon hat sie erschlafft, sodass sie in einem seligen Dauerschlaf verfallen sind. Bedrückende Mittelmäßigkeit beherrscht die Stunde, und die Bilanz unseres geistigen Potenzials muß daher naturgegeben entsprechend dürftig ausfallen. Als einstmals führende Kulturnation haben wir jedenfalls bereits ausgespielt. Die Welt pflegt über uns zur Tagesordnung überzugehen. [1]

Kinder lesen zu wenig
Im Hamburger Literaturhaus. Hier ist man sich einig: Lesen macht Spaß! Doch in einer Hamburger Hauptschulklasse kommen die Botschaften aus dem Literaturhaus nicht an. Lesen ist langweilig finden die meisten Jugendlichen, bei den Freizeitangeboten belegen Bücher den vorletzten Platz.
Deutschland wird zur geistigen Bananenrepublik:
Fernsehen und Computerspiele statt Märchenstunde. Nur jedes dritte Kind im Vorschulalter hat im letzten Jahr ein Bilderbuch bekommen. Sich berieseln lassen, eine DVD hereinziehen, das ist eben bequemer – auch für die Eltern. Lehrer stehen dann auf verlorenem Posten.

Und wer keine Bücher liest, der lernt oft auch nicht richtig schreiben – und verbaut sich damit seine Zukunft. Das „Land der Dichter und Denker“ verkommt zur geistigen Bananenrepublik.
Lesen als Zeitverschwendung:
Fast ein Drittel der Grundschüler hält Lesen für Zeitverschwendung. Der Spaß am Deutschunterricht, so eine Studie, nimmt von der zweiten bis zur vierten Klasse kontinuierlich ab. Schuld an der Leseunlust sind häufig die falschen Bücher. Jeder zweite Schüler sagt, er würde Schultexte privat niemals lesen. Wo Schulen und Eltern oft versagen, versuchen nun Stiftungen und Bibliotheken einzuspringen.
Ohne Bücher keine Zukunft – Die Gesellschaft spaltet sich immer mehr in Leser und Nichtleser.
Ohne Bücher keine Zukunft. Denn Lesen ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Ohne gut ausgebildeten Nachwuchs fährt Deutschland garantiert gegen die Wand.
(Fortsetzung folgt – Literaturverzeichnis in Teil 2)